Wie ich ein Dach über dem Kopf schätzen lernte: 7 Tage mit dem Mazda MX-5 RF

MX-5 ist gleich Roadster. Roadster ist offen. Kein Dach = maximal offen! Kein Windschott, Fenster unten, viel Luft um Ohren und Haupt. Netter Sound vom Motor, verstärkt maximal von einem Sportauspuff, lenken mit dem eingebauten Popometer. So ist meine Vorstellung vom perfekten MX-5. Punkt.

 

 

Dann kommt Mazda mit dem MX-5 RF ums Eck und lässt ihn mir für eine Woche im Hof stehen. Der hat ein Dach, zwar mit versenkbarem Targateil und Heckscheibe, aber ein Dach. An der Ausstattung wurde auch nicht gespart, das ist die Vollfettstufe RF G160 Revolution Top, mit alles und scharf und der will in dieser Woche bewegt werden. Als wenn der RF es gewusst hätte, war das Wetter eher durchwachsen in jener Woche: Kalt, stürmisch, Regenschauer, so gesehen macht das Dach schon Sinn. So sind wir durch den Grazer Alltag und Stadtverkehr gezuckelt. Die wenigen Sonnenstunden haben wir dafür in der Südoststeiermark auf Erkundungstour für eine Ausfahrt genutzt.

 

Den Auftakt der Testwoche hat er aber beim von mir veranstalteten Alltagsklassiker Friday Night Cruising in Graz gehabt. Dort hat er als Neuwagen zwischen den Old- und Youngtimern wie von einem anderen Stern herausgestochen, das Interesse daran war allerdings groß. Die zahlreichen Sitzproben und das mehrmalige Vorführen des Dachballetts hat doch einige schwer begeistert.

 

 

Ein Vergleich zweier völlig konträrer Targakonzepte ist in Zusammenarbeit mit Klappscheinwerfer und Alltagsklassiker in dieser Woche auch zustande gekommen: Ein in den 80ern entwickelter Toyota Supra Turbo MK3 und der nagelneue MX-5 RF hat uns über Targas einst und jetzt philosophieren lassen.

 

 

Doch zurück zum Anfang: Als Mazda 2016 die Hüllen vom zweiten Modell des MX-5 gezogen hat, war ich schwer angetan. Einerseits eindeutig als MX-5 erkennbar und mit den selben guten Genen ausgestattet, die schon der Roadster hat, andererseits eine formschöne Coupe-Karosserie, wo normalerweise das Softtop sitzt bzw. sich die Sonne über den Passagieren tummelt. Die Alltagstauglichkeit erhöht sich durch das Dach natürlich, so hat man, sofern man den MX-5 als Ganzjahresfahrzeug nutzt definitiv mehr Komfort. Auch der Lärmpegel auf Autobahnfahrten sinkt natürlich. Man sitzt im Freien, aber doch gut behütet, bekommt eine große Portion Sonne und Luft durch das versenkte Targadach und die Heckscheibe ab. Ganze 13 Sekunden dauert die große Welle, während das Dachballett das Dach öffnet oder schließt. Der eh schon überschaubare Kofferraum leidet wenigstens nicht am versenkbaren Dach und bleibt voll und ganz erhalten.

 

 

Optisch war und bin ich nach wie vor vom MX-5 ND so geflasht, wie seit dem NA nicht mehr. Da passt einfach alles! Die aggressive Front, das an den Jaguar F-Type angelehnte Heck, das wertige Interieur. Der ND tröstet mich über den NB und NC hinweg, die nie ganz mein Fall waren, die ich aber auch nicht aus der Garage schubsen würde.

Optik hin oder her, wirklich Laune macht der 2 Liter Motor mit Skyactive Technologie! Der hat genau das Eizerl mehr Leistung, das mir in meinem 91er NA ab und an fehlt. Grenzgenial wie man da über sanfte Bergstraßen räubern kann, das ganze garniert durch eine perfekte Bremserei und ein Fahrwerk (mit Eibach Komponenten) das einen mit der Zunge schnalzen lässt. Das wäre wohl der erste MX-5 den ich unverändert lassen würde. Da passt alles!

 

 

Steigt man ein, bzw. lässt man sich tief in die Recarositze reinfallen fühlt man sich sofort zuhause. Drückt man den Startknopf neben dem griffigen Lederlenkrad und legt im präzisen Sechsganggetriebe den ersten Gang ein, ist es sofort da das Grinsen. Das Grinsen, das einen befällt wenn man MX-5 fährt. Das Soundsystem kommt von Bose, das Multimedia-Navi spielt alle Stückl. Klick-klack fetzt man durch die Gänge, dreht die Gänge schön hoch, mit ultrakurzem Schaltweg. Die 45kg Mehrgewicht, die der RF dank des Retractable Fastback mitschleppen muss, fallen nicht wirklich ins Gewicht.

Da werden Erinnerungen wach, als ich meinen NA, kurz nach dem Kauf im Februar 99, mit frischen Winterhufen die schneebedeckte Passtrasse auf die Turrach im Schneegestöber raufgetrieben habe, natürlich offen. Driftend, die volle Straßenbreite ausnützend, die Heizung am Anschlag aufgedreht, die Mütze tief in die Stirn gezogen. Da war dessen Vorgänger im Fuhrpark, ein Volvo 360 GLT ein guter Lehrmeister des gepflegten Heckschlenkers. Mehr Spaß ging kaum, den vermittelt aber auch der MX-5 ND, egal ob als Roadster oder als RF. Das Aussteigen ging damals aber irgendwie leichter vonstatten, das muss wohl am fortgeschrittenen Alter liegen….

 

 

Gut, die den modernen Sicherheitsstandards geschuldeten Helferlein, die müsste ich nicht alle haben. Aber die Start-Stopp-Automatik lässt sich deaktivieren, genauso wie der Fahrspurassistent. Wenn einen der Hafer sticht, dann klickt man noch das ESP weg und dem Spaß auf Bergstraßen ist kaum eine Grenze gesetzt. Was ich durchaus zu schätzen gelernt habe, sind die Parkpiepserl vorne und hinten. Vorne ist die dem Fußgängerschutz geschuldete tiefe Schnauze nicht so übersichtlich wie man es gerne hätte, hinten das hohe Heck, wo man das Ende nur erahnen kann.

Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste zwischen Roadster und RF, würde ich persönlich den Roadster wählen. Warum? Weil er einfach mehr Frischluft bietet um minimal weniger Geld, auch wenn die Dachform des RF aus allen Perspektiven hinreißend ist, auch wenn ich das Machine Grau Metallic lieben gelernt habe und es das nur am RF gibt.

 

 

Besten Dank an Jo und Iris von Mazda Austria sowie dem Team von Mazda Robinson für die nette und kompetente Betreuung.

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